Co-Creation mit dem «Crossfit Ideas Toolkit»

Ein Industrieunternehmen mit ca. 360 Mitarbeitenden in komplexen und sehr unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern im In- und Ausland benötigt neue Verkaufs- und Produkteunterlagen, die visuell einheitlich sind aber auf verschiedene Bedürfnisse einzahlen, wie beispielsweise B2B und B2C, Mehrsprachigkeit, Produktvorteile, Kundennutzen, Mehrwert, emotionale Bilder, etc.

Von Simone Oppong

Mit meiner Methode «Crossfit Ideas Toolkit» versuchen wir, die entsprechenden Anspruchsgruppen an den Tisch zu holen, um zusammen zu erarbeiten, wer unsere Zielgruppen genau sind und was deren Bedürfnisse ausmachen. In einem Workshop versuchen wir, uns gemeinsam in mögliche Nutzer hineinzuversetzen. Als Nutzer sind nicht nur externe Endkonsumenten gemeint, sondern auch Intern, z.B. Aussendienstler und Verkaufsleute, die mit den Unterlagen an der Front arbeiten.

Wie schaffen wir es, durch Teamarbeit, spielerisch, gemeinsam und systematisch, kreative und innovative Lösungen zu erarbeiten und so Ideen, Produkte und Projektoutputs zu generieren und nutzbar zu machen?

Ausgangslage

MOTOREX ist eine Schweizer Traditionsmarke, die über 3000 Schmierstoffe auf dem Platz Langenthal herstellt. Die Geschäftsfelder reichen von Bau, Forst, Landwirtschaft, Auto, 2Rad, bis hin zu Industrieschmierstoffen im Hightech-Bereich.

Die Verkaufsunterlagen, resp. Produktbroschüren sind für eine Neuauflage überfällig. Die Ausgangslage ist komplex, viele Geschäftsfelder mit unterschiedlichen Ansprüchen, Mehrsprachigkeit, unterschiedliche Anwendungsgebiete von B2B und B2C, unterschiedliche Vorstellungen und Wünsche prägen die Situation.

Vorgehen & Methodenanwendung

Set up
Ein Workshop wird geplant, in dem verschiedene Anspruchsgruppen vertreten sind. Das sind Verkaufsleiter, Gebietsleiter, Produktmanager, Marketingleiter und Digital Marketing Spezialisten. Nicht anwesend sind Endkonsumenten. Die Erarbeitung der Bedürfnisse der Zielgruppen basiert auf Annahmen, sogenannte Pre-Personas sollen erstellt werden. Wichtig ist aber vor allem auch, dass die unterschiedlichen internen Anspruchsgruppen einen Austausch finden und ihre Ansichten platzieren können. Dem zusammengestellten Team im Workshop wird die Thematik von Design Thinking, Double Diamond und Persona rudimentär erklärt. Designprozesse und Methoden sind dem Team in dieser Art neu.
15 Personen arbeiten in 3 Gruppen an je einem Tisch. Dem Facilitator helfen ein Zweierteam einer externen Agentur. Der Workshop ist für einen halben Tag angesetzt. Der Workshop findet nicht in der Unternehmung, sondern extern in geeigneten Räumen eines Kulturhauses statt.

Warm up
Damit die Gruppe warm wird, mögliches Hierarchiedenken verschwindet und sich jeder einmal in die Augen geschaut hat, inszenierte man die Methode Portrait-Skizze. Dazu sitzt die Hälfte der Teilnehmer auf Stühlen im Kreis und die andere Hälfte der Teilnehmer stellen sich vor die Sitzenden. Die Sitzenden halten einen Block vor sich und die Stehenden sind mit je einem farbigen Filzstift bewaffnet. Im 10-Sekunden-Takt geht es nun reihum, um ein Teil des Gesichts des Sitzenden auf Papier zu bringen. Es entstehen lustige und teils erstaunlich getroffene Portraits und vor allem, eine gelockerte Stimmung und Gelächter.
Zusätzlich verortet sich jeder der Gruppe mit Dots auf einem Achsen-Chart zu den jetzigen Verkaufsunterlagen über die technisch-inhaltliche und die visuelle Qualität.

Workout
Persona bauen// Für den Hauptteil des Workshops wurde die Methode «Storytelling Cube» adaptiert. Dies ist eine sehr zugängliche Methode und bietet allen auf spielerische Weise die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln. Dabei erarbeiten die Teilnehmer mittels eines vorgegebenen Fragebogens einen Kartonwürfel mit beklebten Post-Its. Auf den Post-Its ist die Zielgruppenperson auf demografische Informationen, Verhalten, Bedürfnisse, Ziele, Aspekte in Bezug auf das Produkt, zu beschreiben. Alles, was helfen soll den Nutzer und sein Bedürfnis zu verstehen. Damit sie die Persona nicht zeichnen müssen, stehen ihnen bedruckte Bierdeckel mit Illustrationen möglicher Zielgruppen-Charakteren zur Verfügung.
Dauer: 20 Minuten.

Erzählen, Zuhören// Nun erzählen sich die Teilnehmer gegenseitig in der Perspektive der erstellten Persona je 3 Minuten lang wer die Zielperson ist. Pro Gruppe steht je einer der 3 Facilitator zur Verfügung, dieser notiert alles Gesagte. Dauer, pro Teilnehmer 3 Minuten.
Aufschreiben, Clustern// Aus den Notizen werden die aussagekräftigsten Aussagen in Form von Schlagworten auf Post-Its notiert und auf ein Flipchart geklebt. Die vielen Post-Its werden danach geclustert und synthetisiert damit Zusammenhänge und Muster erkennt und Rückschlüsse gezogen werden können. Jede Gruppe stellt die Ergebnisse den anderen Gruppen vor.
Dauer: 25 Minuten

Cool down
Sortieren/Einordnen// Nach der MoSCoW Methode werden alle Ergebnisse der 3 Flipcharts Sortiert und eingeordnet. Das heisst nach Must, Should, Could und Won’t Aspekten auf eine grosse Tafel geklebt. Damit wurde nochmals eingekocht was die wichtigsten zu berücksichtigen Aspekte für den Release der Verkaufsunterlagen sind.
Feedback// Mit der ROTI Methode (Return on time investment) konnte jeder Teilnehmer mit Dots sein Feedback über den Workshop abgeben.

Ergebnisse & Reflexion

Mit diesem Vorgehen nach der Methode des «Crossfit Ideas Toolkit» haben wir binnen 2.5 Stunden viele Impulse einbringen und verarbeiten können. Der Prozess involviert nicht nur alle Teilnehmer gleichermassen, sondern veranschaulicht ergebnisorientiert, was man erarbeitet hat und schafft Übersicht. Mit dieser kollaborativen Zusammenarbeit können Ideen entstehen, die realistisch Anwendung und Akzeptanz finden. Die Methode fördert den Teamspirit und findet hoffentlich noch öfters Anwendung in anderen Projekten.

WARUM UP// Portrait Skizze
WARUM UP// Portrait Skizze
WORK OUT// Persona bauen
WORK OUT// Persona bauen
WORK OUT// Erzählen, Zuhören, Aufschreiben, Clustern
WORK OUT// Erzählen, Zuhören, Aufschreiben, Clustern
COOL DOWN// Sortieren, Einordnen
COOL DOWN// Sortieren, Einordnen