Dazlus

Ein Streaming-Dienst für digitale Kunstwerke.

Von Felix Barber

Musik- oder Film-Streaming-Dienste wie Spotify, Deezer oder Netflix haben sich etabliert. Wir wollten verstehen, ob ein Streaming-Dienst für Kunstwerke auf ähnlicher Basis sich etablieren könnte. Zum Testen der Attraktivität von einem Kunst-Streaming-Dienst haben wir einen Prototyp gebaut. Der Prototyp hat uns geholfen das Konzept zu kommunizieren und die Erfolgsbedingungen für einen Kunst-Streaming-Dienst besser zu verstehen.

Wie könnten wir einen nützlichen Prototyp eines Streaming-Dienstes auf Basis vorhandener Bausteine und mit minimalem Design-Aufwand zusammenbauen?

Ausgangslage

Die digitale Kunst kann sich wie ein Film bewegen, wie Musik lauten und wie ein Videospiel interaktiv sein. Dementsprechend verschwimmen zunehmend die Grenzen zwischen diesen Kunstformen. Es stellt sich die Frage, ob ein Streaming-Dienst für digitale Kunst als Konkurrenz zu Musik- oder Film-Streaming-Dienste (oder zu Online Gaming) aufgebaut werden könnte. Felix Barber hat das Projekt gestaltet. Martin Dusek hat beim Prototyping geholfen. Stefano Vanotti war Projekt Mentor. Den Prototyp haben wir mit mehreren leuten besprochen, um das Potential dieser Streaming-Idee zu testen.

Vorgehen & Methodenanwendung

Wir haben zuerst recherchiert in wie fern “Ready Mades”* - Benchmarks, Analogien und bestehende Objekte -  für einen Kunst-Streaming-Dienst vorhanden und zu benützen wären (sowohl für den Streaming Dienst selber, als auch für dessen künstlerischen Inhalt).

Für den Streaming-Dienst selber liessen sich schnell eine Vielzahl von Benchmarks und Analogien aus den konkurrierenden Kunstformen identifizieren. Wir haben uns im Musik-Streaming Bereich auf Spotify und Deezer, im Filmbereich auf Netflix und im Kunstbereich auf Blackdove, Meural und Deviantart fokussiert. Wir haben im Games Bereich EA Access angeschaut aber die Anzahl der darin enthaltenen Filme ist klein (50 Filme) und der Dienst dementsprechend einfach gestrickt.

Passende Kunstwerke als Ready Made Bausteine für den Prototyp lassen sich auch einfach finden, ausser bei interaktiven Kunstwerken. Da diese aber einige der interessantesten Herausforderungen für einen Streaming Dienst darstellen, haben wir viel Zeit bei deren Suche investiert und am Ende genügend Werke gefunden um wenigstens einen gewissen Eindruck zu geben, wie solche Werke in einem Kunst-Streaming-Dienst integriert werden könnten.

Wir haben die User-Interfaces aller Benchmarks und Analogien verglichen und vorhandene Problemlösungen in einen einfachen Dazlus Kunst-Streaming-Dienst Prototyp eingebaut. Die Kunstwerke sind dann mit der Wizard-of-Oz Methode im Prototyp integriert worden.

Benchmark Dienste und Analogien haben gute Ready Made Lösungen für die meisten User Interface Probleme geliefert. Es gibt einige “Standards” und wo es Variationen gibt, konnten wir eine für Dazlus passende Auswahl treffen

Die interaktiven Kunstwerke haben ansatzweise Lösungen geliefert für die Steuerung der interaktiven Elemente. Hier führt der Ready Made Ansatz aber nicht zu einer schnellen einfachen Lösung. Eine solche ist nur möglich bei einer Beschränkung der künstlerischen Freiheit    

Ergebnisse & Reflexion

Das Ergebnis der Arbeit ist in der ersten Instanz ein fertiger Prototyp zum Testen der Kunst Streaming Dienst Idee. Wir haben bereits erste Tests mit diesem Prototyp durchgeführt. Allerdings ist der Prototyp, zum Zeitpunkt des Schreibens, erst kürzlich fertig geworden und wir haben noch einiges an Arbeit ausstehend, um zu verlässlichen Ergebnissen zu kommen.

Durch erste Interviews ist klar, dass der Prototyp sehr hilfreich ist, um die Streaming Dienst Idee zu kommunizieren und um Interesse daran zu wecken. Er vermittelt eine sehr konkrete Idee der Möglichkeiten des Dienstes.

Das Bauen des Prototyps hat uns einiges gelehrt, nicht nur über die “Desirability” (Wünschbarkeit) der Idee sondern auch über die “Feasibility” (Machbarkeit). Wie bei Online-Gaming hängt die Attraktivität stark mit der technischen Entwicklung zusammen. Die Lieferung von interessanten digitalen Kunst-Inhalten verlangt eine anspruchsvolle Kombination aus künstlerischen und technischen Fähigkeiten.

Unternehmer und Rechercheur bei der Arbeit
Unternehmer und Rechercheur bei der Arbeit
Prototyp
Prototyp


* Der Begriff “Ready Mades” wird hier in bewusster Anlehnung an die “Ready Mades” von Marcel Duchamp benutzt. Wie Duchamp Alltagsobjekte genommen und -  zweckentfremdet - zu Kunstwerken deklariert hat, so haben wir den Begriff Ready Mades genommen und -  leise -  zweckentfremdet als Bezeichnung für Benchmarks, Analogien und bereits vorhandene Objekte die in einen neuen Zusammenhang verwendet werden können benutzt. Siehe Methode für eine präzise Beschreibung der Benutzung des Begriffs in Zusammenhang mit Ready Made Prototyping.