Der Digitalisierung begegnen

Eine Haltungsfrage

Von Verena Pinegger

Digitale Technologien werden die Arbeitsumgebung einer operativen Abteilung verändern. Das vierköpfige Leitungsteam möchte die Mitarbeitenden in diesem Prozess begleiten und Veränderung vorleben. Es fällt ihnen aber schwer, das im Arbeitsalltag umzusetzen.

Während eines dreistündigen Workshops schaffen wir zuerst ein gemeinsames Verständnis der Herausforderungen. Danach diskutiert das Leitungsteam, welche Haltungen sie bei sich und ihren Mitarbeitenden fördern wollen, damit sie gemeinsam den Herausforderungen begegnen können. Sie nehmen sich vor, in den kommenden drei Monaten «Offenheit» leben zu wollen und damit ihre Mitarbeitenden in Bewegung zu bringen.

Als nächsten Schritt überlegen sich die Mitglieder des Leitungsteams jeweils zwei Möglichkeiten, wie jede und jeder Offenheit im Arbeitsalltag (vor)leben kann. Der Austausch in der Gruppe erweitert die einzelnen Vorschläge. Am Ende ist für alle klar: sie können etwas tun! So gehen sie die Veränderung in kleinen Schritten an.

Wie können sich die Mitglieder des Leitungsteams als Führungspersonen weiterentwickeln, so dass sie gewünschte Veränderungen ihren Mitarbeitenden aktiv vorleben können?

Ausgangslage

Auf eine rund fünfzigköpfige operative Abteilung kommen Veränderungen zu. So werden beispielsweise digitale Technologien die Arbeitsumgebung, Aufgaben und Prozesse verändern. Das beschäftigt die vier Mitglieder des Leitungsteam. Sie spüren eine grosse Verantwortung gegenüber ihren Mitarbeitenden und möchten sie in diesen Veränderungen begleiten. Sie möchten den aktiven Umgang mit Veränderungen gerne vorleben, finden es aber schwer, das im Arbeitsalltag umzusetzen.

Vorgehen & Methodenanwendung

Vor uns liegen drei Stunden, in denen ich gemeinsam anhand des Wandelmacher-Plakates mit dem vierköpfigen Leitungsteam erarbeite, wie sie ihre Mitarbeitenden im digitalen Wandel begleiten können.

Herausforderungen definieren
Nach einer Aufwärmübung halten wir die Herausforderungen fest, die sich für die Mitarbeitenden im digitalen Wandel ergeben. Die Zettel füllen sich rasch mit Herausforderungen und es herrscht Einigkeit, wo es momentan hakt.

Wirksame Haltung bestimmen
Anhand der Pioneer Cards (von hr pioneers) diskutiert das Leitungsteam Haltungen, mit denen sie ihre Mitarbeitenden begleiten können, um gemeinsam den Herausforderungen zu begegnen. Die Karten inspirieren und öffnen den Horizont für bisher Unangedachtes. Trotz dieser Unterstützung fällt dem Leitungsteam dieser Schritt schwerer und ist ungewohnter als der vorherige: viele Haltungen scheinen ihnen relevant für die Herausforderungen. Schliesslich einigen sie sich auf drei wichtige Haltungen. 

Nachdem sie sich überlegt haben, was die drei Haltungen jeweils bewirken, bestimmt das Leitungsteam den Schwerpunkt für die kommenden Wochen: sie wollen Offenheit leben, und damit auch ihre Mitarbeitenden in Bewegung bringen. In der Diskussion stossen sie auf die Vielschichtigkeit des Begriffes: zum einen verstehen sie darunter eine offene Haltung gegenüber Neuem. Andererseits bedeutet Offenheit für sie auch, als Führungspersonen transparent zu kommunizieren, um die Mitarbeitenden zu Beteiligten in der Veränderung zu machen und das Vertrauen zu pflegen.

Konkret werden
Als nächstes geht es darum, dieser Haltung Leben einzuhauchen. In Einzelarbeit überlegen sich die Mitglieder des Leitungsteams, was jede und jeder Einzelne beitragen kann. Was können sie konkret tun, um Offenheit in ihrem Arbeitsalltag (vor) zu leben? Und welche Wirkung erwarten sie dadurch? Im Austausch zeigt sich, dass die Mitglieder aufgrund ihrer Funktionen Offenheit auf unterschiedliche Weisen leben können. Die Ideen der anderen inspirieren und erweitern die Überlegungen der einzelnen Mitglieder. Aber bei allen ist klar: sie können etwas tun!

Ergebnisse & Reflexion
  • Am Ende waren für alle Teilnehmenden konkrete, realistische Umsetzungsmöglichkeiten klar. So kommen sie in kleinen Schritten vorwärts.
  • Das Format ist mit den Diskussionen und dem Austausch zeitintensiv. Genau diese beiden Elemente bieten den Teilnehmenden Raum, eine gemeinsame Basis zu schaffen und ihre eigene Rolle in der Veränderung zu reflektieren. Um die Akzeptanz der Methode zu fördern ist es wichtig, für jede Gruppe vorab die passende Ausführlichkeit und Regelmässigkeit zu finden. Idealerweise werden möglichst viele Elemente in bereits bestehende Formate integriert, beispielsweise in regelmässige Teammeetings.
  • Im Workshop ist es wichtig, eine Balance zwischen effizientem Vorwärtskommen mit Time Boxing und intensiven Diskussionen zu finden. Manchmal ist es wichtiger, eine Diskussion in der Tiefe zu führen und dafür anderes abzukürzen – der Workshop ist Teil des Reflexionsprozesses der Teilnehmenden.
  • Die Umsetzung im Arbeitsalltag liegt bei den Teilnehmenden. Regelmässige Reflexionen in der Gruppe fördern, dass die Haltung wirklich Eingang in den Arbeitsalltag findet. Allenfalls können sich die Teilnehmenden im Workshop gemeinsam Gedanken dazu machen, wie sie im Arbeitsalltag an die Haltung denken.
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