Prozess-Kick-Off ohne Irrwege

Eine gemeinsame Ausgangslage für die nächste Unternehmensphase ermitteln.

Von Heidi Bernard

Ein Unternehmen mit mehreren Partnern und Angestellten kann, zumindest punktuell, unterschiedliche Auffassungen zur Positionierung am Markt haben. Es stellt sich nun die Frage wie stark Wunsch- und Selbstbilder teamintern übereinstimmen. Ohne eine methodische Herangehensweise ist dies schwer zu eruieren.

Um kollektive Wunsch- und Selbstbilder zu visualisieren und zu benennen, wurden im Workshop die Metaphorische Verdichtung und die How Might We Methode eingesetzt. Die daraus resultierenden Ergebnisse dienen der Klärung und tragen somit vor dem Prozess-Kick-Off zur internen Konsensfindung bei, um gemeinsam eine Ausgangslage festzulegen.

Wie können wir unser unternehmerisches Wunsch- und Selbstbild in einem zeitlich begrenzten Rahmen am effektivsten ermitteln?

Ausgangslage

Ein erfolgreich geführter Concept Store für Design- und Lifestyleprodukte mit Sitz in Zürich möchte sich weiterhin am Markt behaupten. Nach sechs Jahren setzt sich das Unternehmen zum Ziel, den Anfangserfolg zu festigen.

Für diese Auseinandersetzung hat eine der Inhaberinnen eine vierköpfige Arbeitsgruppe, bestehend aus ihr selbst sowie drei Angestellten (stellvertretend für das 15-köpfige Team), zusammengestellt. Das Ziel ist, in einem Workshop eine gemeinsame Ausgangslage für die nächste Unternehmensphase zu definieren.

Vorgehen & Methodenanwendung

Auftakt zum Workshop
Der Workshop fand in den Geschäftsräumen des Kunden statt. Das Whiteboard wurde entsprechend vorbereitet, die Utensilien auf dem Tisch verteilt sowie das Ziel des Workshops definiert: Gemeinsam ein internes Wunsch- und Selbstbild für das Unternehmen zu visualisieren.

Anwendung der Methode Metaphorische Verdichtung
Da es eine verspielte Methode ist und im ersten Moment auch Irritationen auslösen kann, wurde die vierköpfige Arbeitsgruppe, ohne grosse Erklärungen ins «Handeln» gebracht.

Assoziationen im Plenum vorstellen
Sichtlich überrascht von der Fragestellung, startet die Gruppe beschwingt, aber konzentriert mit der Aufgabenstellung. Die Metaphern führten die Gruppenmitglieder rasch in die nötige Distanz als Basis der Selbstreflexion.
Die Inhaberin begann mit der Vorstellungsrunde und stellte ihre Assoziationen vor: «Wir sind wie eine Familienkutsche, gemütlich, geräumig, schön – aber auch etwas langweilig...». Bei den Assoziationen zum Wunschbild: «Wir möchten wie ein Tesla sein, innovativ, sicher, ästhetisch – also einfach super smart und sexy...». Darauf folgten die anderen Gruppenmitglieder mit überraschend ähnlichen Assoziation. Die Post-Its mit den Adjektiven wurden auf das Board geklebt, dazu wurde viel gelacht.

Gemeinsam sortieren und am Whiteboard verorten
Da jedes Gruppenmitglied mit einer eigenen Post-It Farbe arbeitete, wurde rasch erkannt, wie hoch der Beitrag zum Cluster jedes einzelnen war. Entsprechend wurden die Cluster verortet: Je mehr Farben die Cluster aufwiesen, je höher wurden sie gehängt.

Bewerten und markierte Cluster neu verorten
Die Cluster, welche die Gruppenmitglieder am interessantesten erachteten, wurden am Board neu verortet. So hatten auch Cluster eine Chance, die nur eine oder zwei Farben aufwiesen.

Anwendung der Methode How Might We
Um die relevantesten Aspekte im kollektiven Wunschbild zu konkretisieren, hat die Gruppe zu den entsprechenden Cluster «How Might We Fragen» formuliert, beispielsweise: «Wie können wir Nachhaltigkeit im Unternehmen fördern?» und «Wie können wir Innovation erreichen?».

Ergebnisse & Reflexion

Herausforderung beim Outcome
Besonders war an diesem Workshop, dass nicht nur die Inhaberin, sondern auch die Mitarbeiter den Workshop prägten. Die daraus resultierenden Ergebnisse sind stellvertretend für das ganze 15-köpfige Team. Darum bin ich darauf bedacht, eine Ausgangslage zu schaffen, welche in einer zweiten Session das gesamte Team involvieren könnte.

Zoom Out ins Macro
Ein weiteres Involvement des restlichen Teams könnte beispielsweise wie folgt aussehen. In einem Raum oder in einer ruhigen Ecke im Unternehmen hätte das restliche Team die Gelegenheit, eine Woche die «How Might We Fragen» zu ergänzen. In der darauf folgenden Woche könnte jeder aus dem Team die Fragestellungen bewerten; zum Beispiel pro Themenfeld ein Sticker. So hätte zwar im Vorfeld die Arbeitsgruppe, stellvertretend für das ganze Team, fünf Themenfelder vordefiniert; aber beim konkretisieren der Fragestellung und beim Abstimmen würde der Gestaltungsraum zurückgespielt. In dieser Dynamik könnte der ganze Entwicklungsprozess weiter gehen, was strategisch sehr spannend wäre.

Erkenntnis aus dem Workshop
Das Ergebnis und auch die Stimmung im Workshop war sehr ausgeglichen. Eine mögliche Interpretation besteht darin, dass entweder die Stimmung im Unternehmen gut ist und ein kollektiver Konsens herrscht. Oder dieser Konsens resultiert allenfalls zumindest teilweise auch daraus, weil die Inhaberin zuerst präsentiert hat; weshalb sich aufdrängen könnte, in einem anderen Anwendungsfall gerade nicht mit hierarchisch höchsten Person zu beginnen, damit auch Divergenzen besser sichtbar werden.

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Teambild
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