Ready, Steady, Grow!

Eine Ideenstafette im Workshop-Format.

Von Stefanie Beilstein

Zusammen mit Freunden pflege ich einen Gemeinschaftsgarten auf dem Land eines Kleinbauern. Am Anfang des Jahres findet eine grosse Gartensitzung statt, bei der wir versuchen, alle Wünsche und Ideen der Anwesenden mit ins Jahr einzuplanen. Wir stehen dabei aber oft vor der Herausforderung, bei so vielen individuellen Zielen und Ansprüchen das gemeinsame Gärtnern nicht aus den Augen zu verlieren.

Hier setzt die Ideenstafette an. Spielerisch und kollaborativ werden mit dieser gemeinsam Ideen entwickelt und vertieft, Schwachstellen thematisiert und Lösungsansätze formuliert. Das rotierende Element der Methode hilft uns dabei, ein gemeinsames Gefühl von Verantwortung zu schaffen und uns gegenseitig zu inspirieren.

Mit den daraus resultierenden Lösungsansätzen schaffen wir eine gute Grundlage, um motiviert zusammen  ins Gartenjahr zu starten. Gleichzeitig üben wir uns darin, konstruktiv mit Einwänden umzugehen und Schwachstellen und Fehler als Herausforderung an unser Team zu sehen.

Wie können wir ein heterogenes Team dabei unterstützen, gemeinsam motiviert Ideen zu entwickeln?

Ausgangslage

Dieses Jahr werden wir mit der Gartengemeinschaft auf eine neue Parzelle umziehen und auf dieser einen neuen Garten kultivieren. Dies ist natürlich eine grosse Chance, nochmals alle Ideen und Wünsche der Gärtnerinnen miteinzubeziehen, bedeutet allerdings auch eine unglaubliche Menge an Arbeit, die auf uns zukommt. Um das Projekt gemeinsam anzugehen, planen wir am Anfang des Jahres einen Gartenworkshop, bei dem wir die Eckpfeiler des neuen Gartens und die wichtigsten Prioritäten abstecken. So stimmen wir uns auf das gemeinsame Gartenjahr ein. 

Vorgehen & Methodenanwendung

Im Rahmen eines gemeinsamen Gartenworkshops zur Planung der neuen Parzelle gehen wir wie folgt vor. 

Optionale Vorbereitung
Wer die Zeit findet, macht sich vor dem ersten Workshop einen persönlichen Eindruck der neuen Parzelle, fotografiert und notiert Beobachtungen, um diese dann im Team zu teilen.

Einstimmung
Der Gartenworkshop startet mit einem gemeinsamen Abendessen. Dies ermöglicht allen Teilnehmenden, richtig anzukommen und sich über den Alltag auszutauschen, bevor es mit der Planung losgeht. 

Vom Garten träumen
Mit einem freien Kopf widmen wir uns nach dem Essen einem stillen Downloading, bei dem jede für sich Wünsche und Ideen für den neuen Garten auf Post-it’s aufschreibt. Kosten und Realisierbarkeit dürfen dabei bewusst erstmals vernachlässigt werden. Danach werden alle Ideen im Plenum vorgelesen und vom Protokollant auf einer Wunschliste erfasst und festgehalten.

Beobachtungen zum neuen Gelände teilen
Nun gilt es, für alle Mitgärtnerinnen ein gemeinsames Bild der Ausgangslage zu schaffen. Dafür werden Fotos, Eindrücke und Notizen zu Hanglage, Neigung und Bodenbeschaffenheit geteilt, so dass sich alle das neue Gelände in etwa vorstellen können. Die Eindrücke werden danach gemeinsam diskutiert. 

Anhand der Beobachtungen wird nun in einem gemeinsamen Voting entschieden, mit welchen Ideen von der Wunschliste wir uns als erstes in diesem Jahr befassen wollen. Die Gegebenheiten des Geländes sowie der Jahreszeit dienen dabei als Kriterien für das Voting und werden vom Team ausgewählt. 

Ideen gemeinsam vertiefen mit der Ideenstafette
Mit einer Ideenstafette vertiefen wir nun die ausgewählten Ideen und teilen sie anschliessend in der Gruppe. Da die Methode sehr aktivierend wirkt, wird nach der Ideenstafette bewusst noch Zeit eingeplant, um weitere Upgrades, Schwachstellen und Lösungen ergänzen zu können. Die geschieht mit Post-it’s, welche an die entsprechenden Ecken der Stafettenblätter geklebt werden. 

Projekte verteilen
Nach dem Ausarbeiten der Ideen werden kleinere Projektteams gebildet, welche sich dann in einem weiteren Treffen mit der Planung und der Organisation der einzelnen Projektideen auseinandersetzen werden. 

Gemeinsamer Abschluss
Am Schluss lassen wir den Abend noch gemeinsam ausklingen.

Ergebnisse & Reflexion

Der Gartenworkshop mit der Ideenstafette führt auf zwei unterschiedlichen Ebenen zu Ergebnissen.

Ideen schärfen
Es wird gemeinsam an Ideen gearbeitet und diese bereits auf erste Schwachstellen überprüft. Das Aufschreiben der Ideen ermöglicht es auch, stilleren Mitgärtner gleichberechtigt zu Wort zu kommen. Gleichzeitig üben die Teilnehmerinnen durch das Weitergeben der Blätter, spontan und flexibel zu bleiben und nicht aus Prinzip an «ihrer» Idee festzuhalten. 

Als Team Ideen entwickeln
Die Ideenstafette wirkt aktivierend. Man spürt richtig die Vorfreude darauf, herauszufinden, was mit den eigenen Inputs passiert und wie diese die Ideen formen, verändern und weiterentwickeln. Nach dem Einsatz der Methode wird zudem differenzierter über mögliche Stolpersteine und Schwächen diskutiert. Diese werden weniger als Kritik, sondern eher als spielerische Herausforderungen, die es zu lösen gilt, angenommen. 

Reflexion
Durch das kontinuierliche Testen der Methode in unterschiedlichem Kontext bin ich zum Schluss gekommen, dass sich die Ideenstafette vor allem für die Startphase eines Projektes lohnt, um ein gemeinsames Mindset zu entwickeln. Sie macht Lust darauf, gemeinsam Ideen zu entwickeln und bewusst Perspektivenwechsel einzugehen. Die Ideenstafette reicht allerdings nicht aus, um eine Idee in all ihren Facetten komplett auzuloten. Dazu sind ergänzende Methoden notwendig.
 

Parallel zur Gartengruppe testete ich die Ideenstafette auch in meinem Designteam (Foto: Raphael Ammann).
Parallel zur Gartengruppe testete ich die Ideenstafette auch in meinem Designteam (Foto: Raphael Ammann).
Als Ausgangslage im Designteam widmeten wir uns der Frage: «Wie könnten wir einem Museum für aussereuropäische Kunst helfen, ein jüngeres Zielpublikum anzusprechen?» (Foto: Raphael Ammann)
Als Ausgangslage im Designteam widmeten wir uns der Frage: «Wie könnten wir einem Museum für aussereuropäische Kunst helfen, ein jüngeres Zielpublikum anzusprechen?» (Foto: Raphael Ammann)
Im Designteam führten wir die Methode zweisprachig durch. Dies erforderte etwas mehr Zeit (Foto: Raphael Ammann).
Im Designteam führten wir die Methode zweisprachig durch. Dies erforderte etwas mehr Zeit (Foto: Raphael Ammann).
Vertikales Gärtnern mit Kartoffeltürmen – ein erfolgreiches Experiment aus dem zweiten Gartenjahr.
Vertikales Gärtnern mit Kartoffeltürmen – ein erfolgreiches Experiment aus dem zweiten Gartenjahr.
Auf dieser Parzelle wird unser neuer Garten entstehen.
Auf dieser Parzelle wird unser neuer Garten entstehen.
Ein spannendes Thema für eine Ideenstafette könnte das Ansiedeln und Unterstützen von Nützlingen sein.
Ein spannendes Thema für eine Ideenstafette könnte das Ansiedeln und Unterstützen von Nützlingen sein.