Das Interview +

Durch das kreieren einer  vertrauensvollen Gesprächsatmosphäre, tiefere Einsichten erhalten.

Zeit

60–120 Minuten

Gruppengrösse

2 Personen 

Schwierigkeitsgrad

Charakter

Verbal, aktivierend

Von David Dudler

Das Interview + ist ein geleitetes Gespräch mit einzelnen Personen zu einem spezifischen Thema. Ein ruhiges Ambiente, ein Tisch und zwei bequeme Stühle in einem nicht öffentlichen Raum verschaffen die nötige Ruhe und Vertrauen. Durch die direkte und sehr persönliche Kommunikation können komplexe und detaillierte Daten erhoben werden. Der Interviewer hat die Möglichkeit, Unklarheiten sofort zu thematisieren, was einen Vorteil gegenüber anderen Befragungsarten (z.B. Fragebogen) darstellt. Die mündliche Befragung kann sowohl als eigenständige Methode, wie auch in Kombination mit anderen Methoden, wie z.B. 5 Whys, Graphic Flow Chart und einem Interviewleitfaden durchgeführt werden.

  • 1. Test Interview

    Um Sicherheit zu gewinnen habe ich mit meiner Freundin einen Testlauf des Interviews durchgeführt. Zum Ablauf diente mir ein Interview Leitfaden. Ich habe das Szenario aufgebaut bei mir zu Hause und das Interview durchgeführt. Danach habe ich ein paar Anpassung am Interviewleitfaden vorgenommen.

  • 2. Interview Anfrage/Einführung zum Thema

    In meine Umfeld habe ich mehrere Interview-Anfragen gestartet. Wichtige Punkte waren:

    • eine kurze Einführung in das Thema und zu welchem Zweck das Interview dienen sollte.
    • Ort der Durchführung des Interviews (bei mir zu Hause), Zeit (am Abend nach der Arbeit) und
    • Dauer (60-90 Minuten)
    • Die Informationen werden vertraulich behandelt und es werden keine Namen erwähnt. Aufnahmen und Skizzen werden vertraulich behandelt und nach abgeschlossener Projektarbeit vernichtet.
    • Zusätzlich wird eine Art Fieberkurve auf einem Graphic Flow Chart ausgefüllt die folgenden Punkte beinhalten: Motivation, Seelischer Zustand und Gesundheit. Damit bekommt das Interview eine visuelle reflexive Phase. Anhand diese Charts lassen sich vielleicht Überschneidungen von anderen Befragten feststellen
    • Für das leibliche Wohl wird in Form eines Abendessen gesorgt. Hungrige Menschen nach der Arbeit sind auskunftsfreudiger.
  • 3. Szenario

    • Die Sitzordnung ist ein wichtiger Faktor. Der Befragte sitzt idealerweise an einem Tisch und nicht auf einem Sofa, weil ich nicht konzentriert schreiben und Gesprächs Skizzen machen kann in der Haltung. Dies geht einfacher an einem Tisch.
    • Das Licht soll nicht grell leuchten im Raum. Es soll entspannt wirken.
    • Keine Handys auf dem Tisch.
  • 4. Interview-Agenda gemeinsam besprechen

    Nach dem Eintreffen des Interviewenden wird der Ablauf kurz besprochen:

    • Essen
    • Entspannt plaudern mit fliessenden Übergang zum Interview
    • Der Einsatz von Papier und Schreibzeug wird erklärt, damit ich mir wichtig Notizen und Skizzen machen kann
  • 5. Warm-Up Frage (als Überleitung ins Interview)

    Eine gute Warm Up Frage ist etwas aus dem täglichen Leben. Wenn ich mein Gegenüber, als Beispiel gerne malt, frage ich ihn über sein letztes Bild: was er gemalt hat, wie er auf die Idee gekommen ist. Wo es entstanden ist, und so weiter. Überleitend baue ich das Interview auf, in Richtung meiner Fragestellung. Dabei bleib ich geduldig bis die spannenden Antworten kommen. Dann heisst es empathisch Gas geben mit den 5 Why’s Fragen. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Kernbohrungen. Übertreiben sollte es man aber nicht, und das Gegenüber nicht löchern mit warum, warum, warum. Dies ist gut zu dosieren damit der Befragte sich sich wohl fühlt und nicht ausgehorcht.

  • 6. Datenauswertung

    Mit den Daten, welche aus Notizen, Skizzen, Graphic Flow Chart und Audiodateien gewonnen wurden, findet eine Datenauswertung statt. Die Aussagen der Befragten werden gruppiert und zu Kernaussagen ausgearbeitet. Auf dieser Basis entsteht ein umfassendes Bild der Erfahrungen der Teilnehmer und Tendenzen und auffällige Aspekte können erkannt werden. Mögliche Lösungsansätze lassen sich zusammenfassen und definieren.

Rollen

Der Fragende
ist ein verständnisvolle Gastgeber. Er ist verantwortlich für ein entspannte und wohlwollende Stimmung.

Der Befragte
ist entweder Betroffener oder er kennt einen Betroffenen oder ist ein Experte

Benötigtes Material
  • Ruhiger Raum, bequeme Sessel, Tisch
  • Aufnahmegerät
  • Stoppuhr
  • Papier
  • Schreibzeug
  • Graphic Flow Chart

Tipps

Abhängig von Tageszeit und Vertrautheit mit den Interviewpartnern, kann gemeinsames Essen/Kochen eine gutes Warm-up darstellen. 

Interviews verwandeln sich je nach Verlauf zu einem Brainstorming von möglichen Lösungsansätzen. 

Nie den Befragten, der sich mit seiner Offenheit über seine Probleme angreifbar macht, belächeln oder sich als Ratgeber aufspielen.

Rolle des Interviewers:

  • Die Lebenswelten des Befragten zu verstehen ist deshalb sehr schwierig, weil dem Interviewer diese Lebenswelt davor nicht bekannt ist und fordert viel Geschick beim Interview seitens des Interviewers.

  • Der aktive Zuhörer: Hört konzentriert und fokussiert zu, ist neugierig und stellt offene Fragen

  • Der Illustrator visualisiert Kernaussagen und Hinweise auf Schlüsselstellen während der Befragung

  • Der Datenanalyst verarbeitet verbale Daten, aber auch Beobachtungsnotizen, Skizzen, Tonaufnahmen.