Der Dialog-Kompass ist ein präventives Orientierungsinstrument für Teams und Organisationen. Er kommt idealerweise zum Einsatz, bevor konkrete Todesfälle oder Schicksalsschläge eintreten, um Haltung, Sprache und Handlungsspielräume gemeinsam zu klären. Die Methode eignet sich für interne Workshops oder eigenständige Teamreflexionen und kann bei Bedarf auch in akuten Situationen angewendet werden. Der Dialog-Kompass ist bewusst nicht therapeutisch angelegt und anpassbar an unterschiedliche Organisationskontexte.
1. Raumgestaltung & Atmosphäre
Eine ruhige, heimelige Umgebung wird gestaltet und durch gedämpftes Licht, dezente Musik sowie Wohlfühlsnacks unterstützt. Die Gestaltung wird je nach Tageszeit bewusst aktivierend dosiert. Die Teamarbeit erfolgt an Tischen oder Wänden, die benötigten Vorlagen liegen bereit.
2. Einstieg, Orientierung & Perspektiven (40’)
Nun wird ein kurzes nonverbales Warm-up durchgeführt, um das Thema behutsam zu öffnen. Anschliessend erfolgt eine kompakte Einführung zu Trauer, Veränderung und psychologischen Reaktionen als Orientierungsmodell, ohne diagnostischen Anspruch. Abgrenzung zu Therapie sowie Klärung von Freiwilligkeit und Selbstschutz. Anschliessend werden relevante Team-Perspektiven gemeinsam festgelegt.
2. Dialog-Kompass einführen (5–10’)
Der Dialog-Kompass wird als visuelles Orientierungsinstrument vorgestellt. Aufbau, Ziel und Abgrenzung der Methode werden erläutert, ohne normative Vorgaben oder Lösungsdruck zu erzeugen.
3. Dialogische Bearbeitung (25–35’)
In Kleingruppen werden pro Perspektive Bedürfnisse, Spannungen, Pains und mögliche Gains gesammelt. Der Fokus liegt auf Wahrnehmung, Verständnis und Enttabuisierung, nicht auf Bewertung oder Lösungen.
4. Verdichten & Orientierung schaffen (10–15’)
Die Ergebnisse werden gemeinsam geclustert. Zentrale Spannungsfelder, kritische Momente und wiederkehrende Muster werden benannt und als Orientierung für weiteres Handeln sichtbar gemacht.
5. Transfer & Abschluss (10–15’)
Das Team reflektiert, welche Erkenntnisse handlungsleitend sind und in den Arbeitsalltag übertragen werden können. Der Prozess wird bewusst abgeschlossen, ohne Umsetzungsdruck.
Factiliator:in:
- Zur Anwendung der Methode wird eine moderierende Rolle benötigt (nicht zwingend ein externer Facilitator), die den Prozess strukturiert, den Rahmen hält und versucht, die psychologische Sicherheit zu wahren. Die Teilnehmenden arbeiten bewusst in der Rolle eines Teams und bringen ihre jeweiligen Perspektiven ein.
- Die Haltung der Facilitator:in ist geprägt von Zurückhaltung, Präsenz und Verantwortungsbewusstsein. Sie oder er schafft Orientierung, ohne zu vereinheitlichen, ermöglicht Dialog, ohne zu therapieren und greift nur dort ein, wo Klarheit, Schutz oder Fokussierung notwendig sind.
Teilnehmende:
- An der Anwendung der Methode können sowohl Führungskräfte und Mitglieder der Geschäftsleitung als auch Mitarbeitende aus unterschiedlichen Funktionen und Hierarchiestufen teilnehmen. Die bewusste Durchmischung der Rollen ist dabei zentral, da Führungskräfte im organisationalen Alltag häufig nur begrenzten Einblick in operative Abläufe und informelle Teamdynamiken haben. Durch die gemeinsame Arbeit entstehen ein erweitertes Perspektivenverständnis, gegenseitige Sensibilisierung sowie tragfähigere, realitätsnahe Lösungsansätze.
- Flipcharts oder grossformatige Papierbögen
- vorbereitete Dialog-Kompass-Vorlagen (vorgezeichnet oder gedruckt)
- Post-its in verschiedenen Farben
- Marker oder Stifte
- eine Uhr oder Stoppuhr zur Zeitstrukturierung
Tipps an Facilitator:innen
Verweise
Trauer- und Veränderungsmodelle
- Kübler-Ross, Elisabeth (1969).
- On Death and Dying. New York: Macmillan.
- Kübler-Ross, Elisabeth (1973)
- Interviews mit Sterbenden. Stuttgart: Kreuz-Vlg
Methodische Referenzen: Der Dialog-Kompass basiert auf Prinzipien der Empathy Map
- Michael Lewrick, Patrick Link, Larry Leifer (2020)
- Das Design Thinking Toolbook. Versus Verlag





