Metaphorix – die Mentale Brücke

Eine Metapher um das Gespräch über komplexe interpersonelle Dynamiken anzustossen.

Zeit

120 Minuten

Gruppengrösse

2–15 Personen 

Schwierigkeitsgrad

Charakter

Konvergierend, visuell, aktivierend

Von Elisabeth Marini

Die Methode “Mentale Brücke” ermöglicht es auf Basis einer Analogie aus dem Sport über Herausforderungen und Probleme bei der Interaktion von Menschen zu sprechen. Der Diskurs kann so in einem positiv besetzen Rahmen stattfinden.

Durch die Wahl einer Sportart als Ausgangspunkt steht den Beteiligten ein eigenes Ökosystem mit fest geprägten Begriffen für genau diese zwischenmenschlichen Beziehungen zur Kommunikation zur Verfügung. Über diese Bezeichnungen herrscht Konsens, da sie durch die Regeln der Sportart klar definiert sind. Komplexe Problemsituationen können so visualisiert und benannt werden. Zusätzlich ergibt sich die Möglichkeit, mit Hilfe von etablierten Spielzügen, Lösungen für Probleme zu finden.

  • Vorbereitung

  • 1. Zielsetzung

    Als erstes muss klar sein welches Ziel mit der Analogie geklärt werden soll bzw. welche Herausforderungen angegangen werden sollen.
    Dauer: 20 Minuten

  • 2. Wahl des Settings

    Der Facilitator wählt unter Berücksichtigung der Zielsetzung die Sportart, die als Analogie dienen soll. Weiter Wähler er ein passendes Setting aus dem Bereich der gewählten Sportart aus, welches eine möglichst gute Ausgangsbasis für Assoziationen bietet (z.B. Trainingslager, Freundschaftsspiel, Weltmeisterschaft).
    Dauer: 20 Minuten

  • 3. Vorbereitung der Materialien

    Wenn die gewählte Disziplin über ein Spielfeld verfügt wird dieses schematisch aufgezeichnet oder ausgedruckt. Für die unterschiedlichen Spieler-Rollen der Sportart werden entsprechend der Anzahl Teammitglieder Avatare in verschiedenen Farben vorbereitet. 
    Dauer: 20 Minuten

  • Workshop

  • 4. Einführung

    Im Rahmen eines Meetings kommen alle beteiligten Personen und Teammitglieder zusammen um auf Basis des vom Facilitator gewählten Settings das Problem zu diskutieren. Zu Beginn des Meetings kommuniziert der Facilitator das Ziel des Meetings und erklärt die zum Einsatz kommende Sport Analogie. 
    Dauer: 10 Minuten

  • 5. Avatare wählen und positionieren

    Jedes Teammitglied wählt aus den bereitgestellten Avataren einen aus, der zu ihm und seiner Rolle passt. Entsprechend dem Szenario beschreibt jeder Teilnehmer warum er sich in der jeweiligen Rolle sieht, platziert den Avatar auf dem Spielfeld und erklärt warum er seinen Avatar so positioniert hat. Anschliessend ist der nächste an der Reihe so lange bis jeder einmal dran war.
    Dauer: 20 Minuten

  • 6. Diskurs im Team

    Nun geht es darum sich auszutauschen und die entstehende Teamdynamik zu nutzen. Ziel ist es ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln über die Wahl der Rollen und die Positionierung der einzelnen Spieler. Der Facilitator protokolliert an einem für alle sichtbaren Ort (z.B. einem Flipchart) wichtige Erkenntnisse, die im Laufe der Unterhaltung auftauchen. 
    Dauer: 20 Minuten

  • 7. Wrap-up

    Am Ende des Meetings fasst der Facilitator anhand des Flipchart Protokolls zusammen welches die zentralen Erkenntnisse waren. Ergänzungen und Korrekturen der Teammitglieder werden aufgenommen.
    Dauer: 10 Minuten

  • Nachbereitung

  • 8. Nachbereitung

    Die Methode der Mentalen Brücke kann in regelmässigen Zeitabständen für die Reflexion der Situation im Team wiederholt werden. Als Vorbereitungsaufgabe macht es Sinn, wenn entweder das Team oder eine Teammitglied sich überlegt welches der nächste “Spielzug” sein soll.

Rollen

Facilitator

Teammitglieder

Benötigtes Material
  • Zeichenunterlage (Whiteboard, Magnettafel, Flipchart oder Zeichenpapier)
  • Papier in unterschiedlichen Farben
  • Magnete oder Klebestreifen
  • Avatare für die Teammitglieder (Fotos, Plastilin, Legofiguren, etc.)

Tipps

Bei der Wahl der Sportart ist es wichtig, dass alle beteiligten Personen diese Sportart und ihre Regeln kennen. Besonders ideal ist es natürlich, wenn sie auch Fans dieser Sportart sind, oder ihr gegenüber zumindest positiv eingestellt sind, weil dann die Assoziation positive Emotionen auslösen wird.

Lässt sich keine favorisierte Sportart finden kann man auf andere Erlebnis-Metaphern ausweichen, zum Beispiel:

Besuch im Nespresso Shop, Einkauf bei IKEA, Kinobesuch, etc.
Eine andere Alternative ist eine gemeinsame Basis durch “Erleben” zu schaffen, indem alle beteiligen Personen einen Klettergarten besuchen, ein Kampfsport Training absolvieren oder an einem Gerümpelturnier teilnehmen.

Vorsicht Stolperstein! Es ist relevant dass die Teammitglieder in der Lage sind die Transferleistung von ihrem Berufsalltag bzw. der gewählten Situation in den Kontext des Spiels zu vollbringen. In meiner Erfahrung ist das bei Personen des C-levels und Line-2 Managements kein Problem.

Die Farben für die Avatare können pro Spieler, pro Rolle oder pro Team unterschiedlich gewählt werden. Weiter besteht die Möglichkeit die Avatare zu personalisieren durch Muster, Trikotnummern oder Glitzerkleber.

Diese kreative Pause dient dazu, dass das Team vom abstrakten Denken wegkommt und anfängt mit ihren Händen etwas Greifbares entstehen zu lassen. Zudem schafft es Zeit zum Nachdenken und die Erklärungen vom Beginn der Methode können sich setzen. 

Bei wiederkehrenden Meetings mit dem Fokus auf die Reflexion empfiehlt sich eine Timebox von 15 bis 30 Minuten für die Methode. Bei der Analyse von komplexen Situationen kann ein längerer Workshop von 60 bis 90 Minuten Sinn machen. 

Mögliche Fragestellungen die mit Hilfe der Mentalen Brücke bearbeitet werden können sind:

Wer nimmt welche Aufgaben im Team wahr?
Mit welchen verschiedene Einflussfaktoren und Rahmenbedingungen müssen wir umgehen?
Warum gehen immer wieder Projekte schief?
Sind wir effektiv bei der Bewältigung von unseren Aufgaben?
Gibt es eine Schattenorganisation im Unternehmen?

Die folgenden Fragen können im Workshop helfen die offene Diskussion anzustossen:

Wie ist die Aufstellung im Team und wie sollte sie sein?
Herrscht Konsens über die Rollen (Schiedsrichter, Trainer, etc.)?
Was macht der Gegner?
Funktionieren die Spielzüge?
Können wir jemanden “freispielen”?
Welches ist der nächste Spielzug?

Die Mentale Brücke kreiert ein eigenes Ökosystem auf dessen Basis kommuniziert werden kann. Dieses Ökosystem kann beliebig erweitert und ergänzt werden um nicht nur die Interaktionen eines Teams sondern weitere Schnittstellen und Kollaborationspartner (menschliche wie maschinelle) zu umfassen.