Stärkenbasiertes «Manuel to Me»

Ein persönliches «Manual to Me» ist ein Türöffner und eine Einladung, sich selbst und andere bewusster wahrzunehmen.

Von Dominik Frey (2026)

«Wie gelingt Zusammenarbeit in Teams?» Diese Frage begleitet mich schon länger. Die Antworten darauf sind vielfältig. Ein Glaubenssatz von mir lautet: Klarheit, Vertrauen und psychologische Sicherheit bilden eine zentrale Basis. Und das beginnt bei uns selbst! 

Die sogenannte «Manual to Me»-Methode schafft überraschende Momente, die sichtbar machen, wie ich mich selbst sehe, was mir wichtig ist, was mich motiviert, welche Stärken ich habe und wie ich gerne kommuniziere. Wenn wir wissen, was uns wichtig ist, fällt vieles leichter: Kommunikation, Feedback, Vermeidung von Missverständnissen, entdecken von Gemeinsamkeiten und nutzen von vorhandenen Stärken.

Wie könnten wir Teams mit grossen personellen Veränderungen dabei unterstützen, gegenseitiges Vertrauen aufzubauen, individuelle Stärken sichtbar zu machen und die Zusammenarbeit nachhaltig zu verbessern?

Vorgehen & Prozess

Das Vorgehen umfasst zwei Hauptphasen: erstens die individuelle Vorbereitung und zweitens den Workshop selbst.

Vorbereitung der Teilnehmenden
Da kaum jemand spontan fünf Kernstärken nach Values in Action (VIA) (Peterson & Seligman, 2024) notieren kann, bittet die Teilnehmenden vorab, einen kostenlosen Selbsttest zu machen (siehe Quellen). So kommen sie bewusst mit den Ergebnissen in den Workshop.

Workshop

Workshop-Start mit Warm-up
Das Warm-up sollte so gewählt werden, dass eine lockere, aktivierte und vertrauensvolle Atmosphäre für die nächsten Schritte entsteht. Ein getimtes Selbstportrait mit anschliessender Vorstellung funktionierte hervorragend.

Manual to Me
Die Facilitator:in gibt Fragen und Struktur im Manual to Me vor, idealerweise verteilt als A3-Template (oder grösser) oder nachzuzeichnend anhand eines Beispiels. Die Teilnehmenden bearbeiten die Gebrauchsanweisung individuell. Die VIA-Kernstärken fliessen aus der Vorbereitung ein (Eigenbild). Anschliessend beantwortet jeder Teilnehmende die Frage: «Ich schätze an dir, dass...» (Fremdbild) pro Person. Ein kurzes Durchlesen, Unklarheiten klären und wertschätzen was geschrieben wurde schliesst diese Runde ab. 

Gallery Walk
Alle kleben ihr Manual to Me, Portrait und Fremdwahrnehmungen an die Wand. Im anschliessenden Gallery Walk stellen die Teilnehmenden ihre Gebrauchsanweisung vor. Ziel ist ein herzlicher Dialog auszulösen und auf Erstaunliches, Gemeinsamkeiten, Unklarheiten oder Lustiges zu reagieren. 

Fokus auf Kernstärken
Danach lenkt die Facilitator:in den Fokus auf die Stärken: Welche Stärken wiederholen, decken, widersprechen oder ergänzen sich? Wie nutzen wir individuelle Stärken im Teamkontext? Gibt es Entwicklungswünsche oder Team-Superpower? Welche Stärken braucht das Team um die Team Ziele zu erreichen? Welche fehlen?
Alle Feststellungen mit Post-it dokumentieren und gruppieren.

Ergebnisse & Reflexion

Die Methode verbindet kreative, spielerische Elemente mit dem eigenen Selbstbild, stärkenorientierten Ansätzen der Positiven Psychologie und der Rückmeldung durch andere. Für die Anwendung braucht es idealerweise einen grossen Raum und genügend Zeit, zum Beispiel mindestens 135 Minuten für rund 10 Personen. Ihre eigentliche Wirkung entfaltet die Methode, wenn die persönliche „Bedienungsanleitung“ vorgestellt, miteinander besprochen und gemeinsam wiederkehrende Muster oder auch Lücken erkannt werden.

Learnings
  1. Weniger ist mehr! 
    Durch Integration von Kernstärken (positive Psychologie) und Fremd-Feedback in das «Manual to Me» öffnete ich zu grosse Themen – wir konnten nur oberflächlich bleiben. Jedes Thema verdient ein eigenes Spektrum zum Kennenlernen. Im Nachhinein: einzeln facilitieren oder mehr Zeit. 
  2. Wenn die Realität auf den Plan trifft
    Die vorbereitende Stärkenanalyse sollte von den Teilnehmenden durchgeführt werden. Ansonsten fehlt Struktur und Tiefe beim gemeinsamen Besprechen.
Impression aus dem Workshop
Impression aus dem Workshop

Verweise

  • Fernandez, A. (2025). wyrd Stärkenreport von wyrd (gratis): https://app.wyrd.io/self/strengths

  • Pang, D. (2025). VIA Inventar der Stärken. Von Workwell der Universität Bern (gratis): https://workwell.psy.unibe.ch/home

  • Peterson, C., & Seligman, M. (2024). In Character Strengths and Virtues: A Handbook and Classification.