Wilder Mix

Eine spielerische kurze Blitzpartizipation, um den Teilnehmenden einer Veranstaltung zu zeigen, dass sie sich in einem mehrjährigen Prozess regelmässig beteiligen können.  

Von Monika Sprecher (2026)

Die Partizipation in mehrjährigen Mitwirkungsverfahren von Baugenossenschaften bei baulichen Erneuerungsprozessen stellt hohe Anforderungen an alle Beteiligten und ganz besonders an den/die Facilitator:in. Diese Partizipation über mehrere Jahre hat den Vorteil, dass die betroffenen Bewohnenden Vertrauen in den Prozess gewinnen können. Allerdings wird häufig eine erste intensive Phase von Partizipation angeboten und dann passiert nur noch wenig, d.h. ein bis zwei Infoabende oder Workshops pro Jahr sind schon viel. Die Beteiligung und Mitsprache reduziert sich effektiv je nach Stand des baulichen Erneuerungsprozesses kontinuierlich, eine Beteiligung ist aber bis zum Schluss möglich. Aber wie?

Wie kann das Vertrauen der Teilnehmenden in die Partizipation und damit die Mitgestaltung in einem mehrjährigen Prozess mit kleinen Interventionen im Rahmen von verschiedenen Veranstaltungen gestärkt werden?  

Vorgehen & Prozess

Voraussetzungen
Ich habe zuerst Grundlagenforschung betrieben zu den Erfahrungen mit mehrjährigen partizipativen Prozessen. Ist es möglich, die Betroffenen regelmässig zu beteiligen? Ja, davon bin ich überzeugt.  
Es muss aber sehr genau geklärt werden, wo noch mitdiskutiert werden kann und was mit dem Input der Teilnehmenden von Workshops geschieht. Die Kommunikation spielt dabei eine wichtige Rolle, sollte geplant werden und regelmässig erfolgen.  

Recherche und konkreter Anlass
Neben dem Studium von mehreren wissenschaftlichen Untersuchungen (siehe Quellen) habe ich auch mit einigen Berufskolleg:innen Gespräche geführt. 
Da bei einem meiner Kunden eine konkrete Veranstaltung geplant ist, kann ich die Methode wilder Mix testen. Dabei ist es mir gelungen, den Vorstand der Genossenschaft zu überzeugen, dass ich den anstehenden Infoabend für eine kleine Intervention bzw. meinen wilden Mix nutzen kann. Dieser Mix bzw. diese Toolbox kann beliebig ausgebaut werden.       

Was soll entstehen?
Es soll eine Mini-Mitwirkung entwickelt werden, welche im Rahmen verschiedener Veranstaltungen angeboten werden kann (z.B. Infoabend, Generalversammlung).   

Infrastruktur und zeitlicher Rahmen
Der geplante Infoabend findet in einem Kirchenzentrum statt, ich darf das Foyer nutzen. Erste Teilnehmende kommen ca. eine halbe Stunde vor der Veranstaltung. Diese sind als Testgruppe sehr interessant, weil man sich für jede Person Zeit nehmen kann. Der grösste Teil der Teilnehmenden trifft ca. fünf bis zehn Minuten vor Veranstaltungsbeginn ein. In diesem Zeitfenster zirkulieren rund 60 Personen durch das Foyer.     

Drei Stationen mit wildem Mix
Mit Stellwänden bilde ich drei Stationen. Dabei verwende ich in reduzierter Form das Brainwriting und das Storytelling. Zusätzlich stelle ich zwei Schätzfragen, gekoppelt mit einem kleinen Wettbewerb, um das im kommenden Jahr anstehende Thema Mobilität zu lancieren. Beim Brainwriting frage ich nach gewünschten zukünftigen gemeinschaftlichen Räumen und gebe mit Bildern Anregungen. Beim Storytelling schaue ich 10 Jahre in die Zukunft und rege die Teilnehmenden mit verschiedenen angefangenen Sätzen dazu an, ihre Wohnzukunft zu beschreiben. Bei den drei Stationen unterstützen mich Mitfacilitator*innen.    

Kommunikation
Der Wettbewerb und die Schätzfragen werden nur wenige Tage nach der Veranstaltung ausgewertet und kommuniziert. Aus den Gemeinschaftsraumträumen und dem Wohnzukunftsschreiben werden ich in den folgenden Monaten Texte verfassen, welche auf der Website erscheinen.   

Ergebnisse & Reflexion

Mit der Methodenwahl tat ich mich längere Zeit schwer, da viele nicht zur Grösse der Gruppe und der kurzen Zeiteinheit passten.   
Nach der Zwischenpräsentation habe ich von den Mitstudierenden viele wertvolle Feedbacks erhalten. Einige davon haben mich dazu motiviert, bei meinen Kund:innen genauer nachzufragen, wie weit sie dieses Verfahren untersützen. Unter anderem zeigte sich bei diesem Austausch, dass der Mitwirkungsprozess für eine bauliche Erneuerung ein gemeinsames Gestalten der Wohnzukunft bedeutet. Gleichzeitig musste ich eine Form von Workshop und Facilitation finden, die ganz kurze Sessions erlaubt. Schliesslich wurde ich ermutigt, es einfach auszuprobieren. 

In knapp 10 Minuten rund 60 Personen am wilden Mix teilhaben zu lassen, war logistisch herausfordernd. Ich stellte die drei Stationen so, dass ein natürlicher Weg in Richtung des Saals entstand. Ohne die Mitfacilitator:innen hätte ich aber niemals so viel Input bekommen.  

Learnings
  1. Ich hätte nicht erwartet, dass der wilde Mix so gut ankommt. Es gab viele interessante Inputs und teilweise hochspannende Diskussionen. Ebenfalls kamen Themen auf, die bis jetzt in der gesamten Mitwirkung noch nicht benannt wurden. Es entstanden also auch zusätzliche Ideen. «Vielen Dank, dass du das alles für uns machst.» war ein Feedback, dass ich mehrmals gehört habe an diesem Abend. Grossartig! 
  2. Die Mitfacilitator:innen waren sehr hilfreich. Sie haben den Teilnehmenden geholfen, sich auf die verschiedenen Methoden einzulassen. Das Briefing dieser Mitfacilitator:innen ist sehr wichtig, damit sie die Methode verstehen und genügend Sicherheit haben. 
  3. Überrascht hat mich vor allem das Storytelling oder in meinem Fall Zukunftsräume oder -träume. Nie hätte ich erwartet, dass so konkrete und auch mutige Inputs gemacht werden. Mein Eindruck ist, dass vor allem diese Station nach anfänglichem Zögern bei den Teilnehmenden sehr gut angekommen ist. Man sollte aber nicht den Anspruch haben, dass sich alle an allen Stationen beteiligen.  
Brainwriting mit dem Thema Gemeinschaftsräume
Brainwriting mit dem Thema Gemeinschaftsräume

Verweise

  • Müller,E. & Stotten R. (2020), Handbuch Mitwirkung, www.interface-pol.ch/app/uploads/2018/09/Be_Demochange_Handbuch_Mitwirkung.pdf 
  • Muri Koller, G. (2024), Barrierefreie Partizipation im Projekt Hobelwerk der Baugenossenschaft mehr als wohnen www.zhaw.ch/de/forschung/projekt/72799 sowie https://www.hobelwerk-winterthur.ch/de/leben/partizipation.html  
  • Chatgpt (bei der Suche nach sinnvollen Quellen) 
  • Feedback meiner Mitstudierenden nach Zwischenpräsentation 
  • Nachfrage im beruflichen Umfeld